Omsky‘s Weihnachtsgeschichte…

Als ich noch die kleine Sus’n war liebte ich die Adventzeit sehr. Ich glaubte wirklich an das Christkind und habe es auch wirklich gesehen!

Mit meiner Schwester stand ich oft am Fensterbrett, im 8.Stock.

Eva sagte dann zu mir “ schau genau, dann wirst du es gleich sehen.“ „Wie schaut es denn aus?“, “ ganz hell und golden, da, da schau…“ Wow es war wunderschön.“

„Habt’s schon gesehen die Engerl backen heute Kekse, der Himmel ist ganz rot“, rief meine Mutter aus der Küche.“

Omsky besuchte uns in diese Zeit auch fast täglich. Meist strickte sie an einem Socken für meinen Vater und ärgerte sich immer dabei, weil er nie fertig wurde.

Das Wunder sahen wir dann unter dem Christbaum, da lagen 5 Paar gleiche Socken. Für jeden von uns ein Paar.

„Omsky erzähl und die Weihnachtsgeschichte, biiiitte“, bettelte ich jedes Jahr am Weihnachtsabend.

„Ich kenn keine!“ “ Doch, doch die von der Lintschi und dem Herrn Steindl.“ „Na gut…“

“ Meine Freundin Lintschi und ich waren jeden Tag beinand. Die Familie Steindl war eine angesehene Bäckerfamilie in Hönigsberg Die Lintschi und ich spielten oft mit ihrer tollen Puppe. Die Steindls waren zu mir so lieb wie zu ihrer Tochter, oder fast so. Oft bekam ich einen Kakao und eine herrlich frische Semmel dazu.

Einmal in der Adventzeit, das dürfte so um 1923 /24 gewesen sein, beschlossen Lintschi und ich das Christkind zu suchen.

„Ich weiß wo man es sieht , oben in der Scheune über der Backstube wo die Milchkannen gelagert sind. Von da hab ich es schon öfter gesehen. Komm Mitzi!“

So stiegen wir über die steilen Treppen hinauf in den Lagerraum. Auf der einen Seite war ein kleines Fester. Auf der anderen eine große Tür die führte zu der steilen Rampe wo die Milchkannen mit dem Leiterwagen heraufgezogen wurden. „Wir müssen jetzt nur eine Milchkanne ans Fenster schieben draufklettern und dann können wir das Christkind sehen.“ flüsterte Lintschi.

Gesagt, getan. Vorsichtig schoben wir die Milchkanne an das Fenster.

„Wir müssen aufpassen! Wenn wir die Milch umschütten reißt uns der Vater den Kopf ab.“

Ich kletterte zuerst, ich hielt mich mit den Händen am Fensterbrett fest. Erst das linke Bein und dann…. rums bums da lag die Kanne schon am Boden, und die Milch floss sogleich die Rampe hinunter.

„Ja Herrschaft Seiten no amal, wart’s nur Euch reiß i die Schädln oba“ hörte ich im nächsten Moment den Steindlvater über den Hof schreien.

Ich stolperte so schnell ich konnte die Stiegen hinunter. Riss mir dabei ein Loch in meine Strümpfe und lief heim zu meiner Mutter. Sie zog mich gleich einmal an meinem Ohr. „Woher sollen wir jetzt neue Strümpfe herkriegen?“ Meine Mutter beruhigte sich aber bald und stopfte das Loch.

Nur ich lebte in ständiger Angst vor dem Steindlvater. Ich traute mich gar nicht mehr auf die Straße. Für’s Milchholen hatte ich stets Ausreden parat. Selbst der heilige Abend war halb so schön, obwohl ich neue rote Strümpfe bekam.

Am Christtag schlich ich mich wieder an der Bäckerei vorbei.

“ Sooo jetzt hab i di du Lausmensch!!“ brüllte der Steindl und packte mich am Gnack. Blitzartig spritzten Tränen aus meinen Augen und ich bettelte. “ Bitte Herr Steindl reißen’s mir meinen Kopf nicht ab, wir wollten nur das Christkind sehen.“

Der Steindlvater lockerte seinen Griff und streichelte mir über den Kopf und sagte: “ Geh Mitzerl komm wieder zu uns, das Christkindl hat auch a Packerl für Dich unterm Christbaum gelegt. „Rumms da fiel mir ein Stein vom Herzen und ich dem Steindlvater um dem Hals.“

So war alles wieder gut! Unter dem Christbaum lag übrigens eine fesche Puppe für mich. In den Weihnachtsferien spielte ich jeden Tag mit Lintschi.

Kling, klingeling …. komm endlich das Christkind war da, sagte meine Schwester und zog mich am Arm in’s Wohnzimmer.

Halleluja, halleluja…

Meine Oma ging auch 1925 26 27 28… Christkindl schauen, nie mehr fiel eine Kanne um. Also immer dran bleiben!

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